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EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld

Gemeinsame Erklärung von KAB und Familienbund – In die politische Debatte um das größte Kinds- und Familienwohl mischen sich die schrillsten Begründungen, warum kein Betreuungsgeld gezahlt werden sollte. So wird unter anderem angegeben, das Rollenbild der Frau habe sich verändert und Politik reagiere nur auf den Zeitgeist.Weit gefehlt !

Eine Umfrage unter Müttern in ganz Europa 2011 (MMM Europe -Mouvement Mondial des Mères-Europe) zeigt eindeutig: ein hoher Prozentsatz (89%) möchte für die Kinder präsent sein und sich in einem bestimmten Lebensabschnitt persönlich um sie kümmern.

Desweiteren existiert noch die Idee, dass nur durch die staatlich gemanagte Erziehung, Kinder unter drei Jahren von sogenannten bildungsfernen Schichten, schon frühzeitig erreicht werden könnten, die sich ansonsten dem Bildungssystem entziehen würden. Doch auch hier sagen Neurowissenschaften und Medizin unisono, dass Kleinkinder im Alter bis zu drei Jahren für eine optimale Entwicklung von Selbstbewusstsein, intellektueller, sozialer, emotionaler und kreativer Intelligenz und Kompetenz konstant präsente und individuelle zugewandte Bezugspersonen benötigen. Bestätigt wurde diese These erst kürzlich von Forschern der amerikanischen Akademie der Wissenschaften der Universität St. Louis. Sie entdeckten einen starken statistischen Zusammenhang ermittelt durch einen sogenannten "Zuwendungs-Index"-Test.

Bleibt noch die Arbeitswelt. So kritisiert denn auch die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laslo Andor in Brüssel: das Betreuungsgeld sei eine Maßnahme, Frauen zu ermutigen zu Hause zu bleiben. Die deutschen Pläne seien schlecht für den Arbeitsmarkt. Merkwürdig !!! Eine IAB-Studie aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass „neue Arbeitsplätze“ vor allem auf der Basis von Leiharbeit, geringfügiger Beschäftigung oder Teilzeitarbeit entstehen. Zudem seien viele Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor angesiedelt, die keine eigenständige Lebensführung jenseits von zusätzlichen staatlichen Transferleistungen ermöglichen und somit ergänzende Leistungen aus der Grundsicherung –„Aufstocker“ – beziehen. Nach Angaben der BA, ist seit 2003 die Anzahl der „Multijobber“ um das Doppelte gewachsen. Frauen sind hiervon häufiger betroffen als Männer. Diese Attribute kennt man aus der „vorindustriellen Periode“ als Frauen unter familienauflösenden Bedingungen mit unerhört langen Arbeitszeiten als billige Arbeitskräfte ausgebeutet wurden.

Wenn nun Verantwortliche in Politik und Wirtschaft mit dramatischem Tonfall erklären, dass nur durch den Ausbau der KiTa’s und Ganztagesschulen die Herausforderungen unserer Zeit bewältigt werden können, so nähren sie vielleicht ungewollt den Verdacht, dass es ihnen am Ende um etwas anderes geht als um die Unterstützung der Familien und Kinder – nämlich um eine grundsätzlich andere Gesellschaftsordnung, in der Ehe und Familie keine Bedeutung mehr hat.

Dann muss sich Politik aber die Frage gefallen lassen, ob sie ihrer Verpflichtung aus Artikel 6 des Grundgesetzes noch nachkommt: „Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung“.


Erdmann Theresia
stellvertr. Diözesanvorsitzende KAB – Katholische Arbeitnehmer-Bewegung
Sprecherin der AG Familie des KAB Diözesesanverbandes Würzburg e.V.

Michael Kroschewski
Diözesanvorsitzender Familienbund der Katholiken (FdK)


Würzburg/Aschaffenburg, 4. Februar 2012

Rudi Großmann

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