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Veränderte Arbeitswelt gefährdet die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft

gemeinsame Presseinfo von KAB, CAJ und FDK – KAB, CAJ und Familienbund fordern hochwertige und nachhaltige Familienpolitik

Eine im März 2010 veröffentlichte Studie des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg hat ergeben, dass im Jahr 2009 bundesweit nur noch 52 Prozent der Arbeitnehmer in sogenannten tarifgebundenen Betrieben gearbeitet haben. Die IAB-Studie stellt fest: Vielfach werden Normalarbeitsverhältnisse (unbefristete, sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze) abgebaut und (neue) Arbeitsplätze auf der Basis von Leiharbeit, geringfügiger Beschäftigung oder Teilzeitarbeit vergeben. Zudem sind viele Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor angesiedelt. Die Folgen sind nicht nur eine relative Schlechterstellung der Betroffenen in den beitragsabhängigen sozialen Sicherungssystemen, sondern häufig auch Niedrigeinkommen, die keine eigenständige Lebensführung jenseits von zusätzlichen staatlichen Transferleistungen ermöglichen. Entsprechend befinden sich unter den Hilfebeziehern auch Erwerbstätige, die als sog. „Aufstocker“ ergänzende Leistungen aus der Grundsicherung beziehen.

Zusätzlich haben die Anforderungen an Erwerbstätige hinsichtlich Flexibilität und Mobilität in den letzten Jahren spürbar zugenommen.Die deutsche Wirtschaft hat von diesem Wandel profitiert. Der Arbeitsmarkt ist so flexibel und wettbewerbsfähig wie kaum ein anderer. Mit Arbeitszeitkonten und ausgeklügelten Schichtmodellen können Unternehmen die Beschäftigten variabel einsetzen und mit Hilfe externer Beschäftigungsformen, ihre Belegschaft jeder Auftragslage anpassen.

Doch der ökonomische Erfolg hat seinen Preis. Angetrieben von einer radikalen Veränderung der Arbeitswelt, erlebt diese Gesellschaft einen tiefgreifenden Wandel. Die neue Arbeitswelt verändert die Lebensperspektive der Menschen und die Kultur in den Unternehmen. Sie bietet mehr Verantwortung, Freiheit und Selbständigkeit, aber sie kostet Sicherheit und Berechenbarkeit.

In einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) wurden unter anderem die berufsbedingte Mobilität und die Folgen für Familien erforscht. Dabei stellte sich heraus, dass durch einen mobilen Lebensstil, es zu Vernachlässigung sozialer Beziehungen kommen kann. Eine Kontaktpflege mit Freunden und Bekannten, eine Beteiligung am Vereinsleben sowie soziales Engagement, kann nicht wie gewünscht aufrechterhalten werden und die für die Familie verfügbare Zeit wird dann als zu gering bemessen erlebt.

Die wahrgenommenen Belastungen und die als dauerhaft erlebte Zeitknappheit, wirken sich auch auf die Familienplanung aus. Der Aufschub eines Kinderwunsches entwickelt sich dann auch meist zum Verzicht auf Elternschaft. Die Untersuchung zeigt, dass sich Mobilität und Elternschaft für Frauen kaum miteinander vereinbaren lassen. Sie bleiben also entweder kinderlos und mobil oder sie werden Mütter und sind nicht mobil, was wiederum negative Auswirkungen für die Berufsaussichten hat.

Auch die Interpretation, dass der vorübergehende Anstieg der Geburtenzahl im Jahr 2007 auf die Einführung des Elterngeldes zurückzuführen sei, wurde untersucht. Die wissenschaftliche Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass die These über eine angebliche Geburtensteigerung unplausibel sei, denn warum sollte sich ein durch das Elterngeld bewirkte positive Fortpflanzungsverhalten, von einem Jahr zum nächsten schon wieder in eine stark negative Wirkung umschlagen. „Nicht geborene Eltern“ können selbst bei drastischen Verbesserungen der Familienpolitik keine Kinder haben.

Einer Berechnung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zufolge, werden bedingt durch die veränderten Arbeitsanforderungen, unter den Jüngeren knapp ein Drittel der Frauen und fast 40 Prozent der Männer ihr Leben lang ledig bleiben. „Oft fehlt gerade in den jüngeren Jahren die Sicherheit im Job, weshalb sie sich durchaus rational, verhalten, wenn sie keine Kinder bekommen und keine festen Beziehungen eingehen", sagte der Soziologe und Regierungsberater Hans Bertram. "Die meisten Männer und Frauen entschieden sich nicht aus Überzeugung gegen Ehe und Familie.

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Johannes Singhammer spricht deshalb von einer "extrem bedenklichen Entwicklung“. „Die Menschen werden spüren, dass der Sozialstaat nie die Sicherheit bieten kann wie die traditionelle Familie", so der CSU-Politiker.

Doch solange die Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nicht schnellstens für eine hochwertige und nachhaltige Familienpolitik Sorge tragen und den im Grundgesetz verankerten Schutz von Ehe und Familie auch umsetzen indem unbefristete, existenzsichernde, sozialversicherungspflichtige und familiengerechte Arbeitsplätze geschaffen werden, eine echte Wahlfreiheit die Kinder selbst zu erziehen möglich gemacht wird, Frauen nicht alleine das Risiko der Familiengründung tragen, wird die veränderte Arbeitswelt auf Dauer die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft gefährden.

Erdmann Theresia
stellvertr. Diözesanvorsitzende KAB – Katholische Arbeitnehmer-Bewegung
Sprecherin der AG Familie des KAB Diözesesanverbandes Würzburg e.V.

Steffen Heppt und Christoph Schlämmer
CAJ - Christliche Arbeiterjugend Diözesanverband Würzburg

Michael Kroschewski
Diözesanvorsitzender Familienbund der Katholiken Würzburg

Würzburg/Aschaffenburg, 15. April 2010

Rudi Großmann

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