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KAB besucht Projekt "Wohnen in Gemeinschaft"

Neue Wohnformen für Menschen mitten im Leben – Selbstbestimmt und generationenübergreifend in einer Hausgemeinschaft leben, möglichst lange autonom leben und Wahlverwandtschaften bilden - das haben sich die Mitglieder des Vereins "Wohnen in Gemeinschaft" zum Ziel gesetzt. Auf Einladung des KAB Kreis- und Stadtverbandes Aschaffenburg konnten sich die TeilnehmerInnen vor Ort einen Eindruck über diese neuen Wohnformen verschaffen.

Gabi Saal-Bauer, eine der Initiatorinnen, berichtete kompetent und jederzeit offen für Nachfragen von der Idee des Konzepts zur Gründung einer die Vielfalt des Lebens abbildenden Hausgemeinschaft. Darin inbegriffen ist die gegenseitige Übernahme von sozialer Verantwortung und Fürsorge. Bis zur Umsetzung dieses Konzepts, das von einer grundsätzlich positiven und vertrauensvollen Lebenseinstellung getragen sein muss (dass Menschen eine Balance von Geben und Nehmen anstreben), vergingen nahezu acht Jahre – von 2003 bis 2011. Nach Meinung Frau Saal-Bauers ist das fehlende Durchhaltevermögen einer der Hauptgründe, weshalb Initiativen in dieser Richtung allzu oft scheiterten. Träfen aber Menschen aufeinander, die das wirklich wollten und die sich nicht entmutigen ließen, dann könne so ein Projekt sehr gut funktionieren. Die offene Kommunikation sei ein Kernstück des Ganzen und werde durch die monatlichen Treffen verschiedener Arbeitsgruppen gewährleistet – immer auf Basis der Freiwilligkeit.

Vor drei Jahren also konnten die Mitglieder der WiGe e.V. in ein ehemaliges US-Wohngebäude auf dem Kasernengelände im Stadtteil Schweinheim in eine der insgesamt 26 barrierefreien 2- bis 4-Zimmer-Mietwohnungen einziehen. Vermieter ist die Stadtbau AG in Aschaffenburg, an Wohneigentum sei die Initiative nie interessiert gewesen, so Frau Saal-Bauer. Im Vorfeld gab es sowohl ein Mitspracherecht bei der architektonischen Planung als auch zukünftig bei der Weitervermietung. Damit ist gewährleistet, dass sich auch die nachfolgenden Mieter der Idee der gegenseitigen Unterstützung verpflichtet fühlen, wie es bei Erstbezug der Fall war. Herzstück der Anlage ist der große Gemeinschaftsraum, in dem die Besucher gastfreundlich bei Kaffee und Kuchen von einigen der Hausbewohner empfangen wurden. Zwei davon waren spontan dazu bereit, ihre Wohnungen zur Besichtigung zu öffnen. Auch der gemeinschaftliche Wäscheraum, das Gästeappartement und die Außenanlagen wurden während des Rundgangs in Augenschein genommen.

Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich sehr beeindruckt von diesem Projekt. Indes werde auf absehbare Zeit wohl keine Wohnung frei, was mancher der überwiegend älteren Gäste enttäuscht zur Kenntins nahm. Am Ende betonte Frau Saal-Bauer noch einmal die Wichtigkeit, sich bereits im mittleren Alter mit der Idee eines solchen Projekts zu befassen. Daneben brauche es einfach auch ein Quäntchen Glück, wie z.B. die Aufgeschlossenheit eines Bürgermeisters. Viele Delegationen aus anderen Städten habe man schon durch die Anlage geführt, ihres Wissens sei aber keine der Kommunen an die konkrete Umsetzung gegangen. Dies veranlasste KAB-Sekretärin Gisela Heimbeck, die Begrüßung und Verabschiedung der Besuchergruppe übernommen hatte, zu der Bemerkung, dass man hier eine Gemeinsamkeit mit WiGe e.V. habe: von einem Traum zur Wirklichkeit zu gelangen. Sie verwies auf die Puzzlekation „Wenn ich könnte, wie ich wollte – Träumen vom Leben und Arbeiten“ und versprach, der Hausgemeinschaft einige Puzzlestücke zur kreativen Gestaltung vorbeizubringen. Die Idee wurde herzlich aufgenommen.

Die genaue Beschreibung des Wohnprojekts findet sich in der Broschüre „Alternative Wohnformen für ältere Menschen. Ausgewählte Beispiele aus der Praxis“, die vom Bay. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen herausgegeben wird. Unter www.zukunftsministerium.bayern.de kann sie eingesehen und ggf. auch bestellt werden (Artikel-Nr. 1001 0407).

Rudi Großmann

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