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Wenn in der Kirche die Herzen aufgehen

der tanzende indische Priester zu Gast in Lohr – Eucharistiefeier und Begegnung in Lohr St. Michaelmit P. Saju George, SJ

Sonntag Vormittag in Lohr – St. Michael. Die Kirche ist voll. Mehr gefüllt als gewöhnlich. Menschen aus Lohr und von weit darüber hinaus sind gekommen, um einen Gottesdienst der besonderen Art mitzufeiern. Nach den Glocken ertönen die Glöckchen. P. Saju George betritt den Chorraum. Gleich zu Beginn tanzt er einen traditionellen indischen Tanz – den Schöpfer und alle Anwesenden zu grüssen. Blumen legt er auf den Altar. Die Gemeinde lauscht und schaut gebannt auf die Mimik und die Fingerspitzen des tanzenden Jesuiten. Staunende Augen, offene Ohren, berührte Herzen.

Die frohe Botschaft Jesu Christi zu verkündigen, das macht der tanzende indische Priester mit dem ganzen Körper. Er spricht Menschen an – anders, tiefer als üblich.

Pfarrer Klaus Beurle, der dem Gottesdienst vorsteht, betont, wie wichtig diese Vielfalt in der heutigen Kirche ist. Nicht die eigene Art und das eigene Denken für absolut halten, gar andern überstülpen wollen – nein, die Schätze und Besonderheiten gerade der Anderen wahrnehmen, fördern – und darin den Glauben wach halten.

Dieser Glaube, der uns Christen heute die Kraft gibt, trotz allem daran zu glauben, dass eine andere, buntere und gerechtere Welt möglich ist.

Das ist es auch, was die KAB Lohr – Sankt Michael bewogen hat, den indischen Gast mit offenen Armen zu empfangen. „Unser Einsatz für soziale Gerechtigkeit umfasst die ganze Erde – er ist umfassend, katholisch im eigentlichen Sinn.“ So Vorsitzender Edgar Schuhmann. So unterstützt die KAB seit Jahrzehnten ein Bildungsprojekt in Bombay, eine Hilfe, deren Saat aufgeht. Inzwischen gibt es dort eine ähnliche (Arbeiter-)Bewegung.

Später, im Pfarrheim, entspannt sich ein reger Dialog. Viele Fragen werden laut: Wie lange er habe lernen müssen, was die Schminke, die Gewänder bedeuten, was ihn zum Tanzen geführt habe... P. Saju steht Rede und Antwort. Bis in die letzte Zelle seines Körpers ist er beseelt davon, Menschen durch Tanz zu begeistern, anzustecken von der Liebe Gottes zu allen Menschen.

„Unser Körper ist ein Instrument“ sagt er, „ein Mittel, um Gott durch uns hindurch wirken zu lassen.“ Und er lässt alle eintauchen in die Welt des Tanzes und dessen Symbolik und Mimik. Von Herz und Begeisterung ist die Rede, von der wichtigen Rolle der Frau, von der Kraft von Partnerschaft und Zusammenwirken von Mann und Frau, von Widerstand und Feuer, von Gegensätzen, die nicht spalten – und immer wieder von Gottes Liebe: die rote Farbe der Kleidung und die roten Zeichen auf dem Körper sind Symbole der Liebe: die Herzen öffnen sich. Weit nach dreizehn Uhr ist es, bis die Letzten nach Hause gehen. Beseelt, vergewissert, berührt. Berührt und begeistert von Kirche, wie sie sein soll: nah bei den Menschen, lebendig, sinnlich – und immer offen für Neues.

Rudi Großmann

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